Rücksichtslosigkeit ersetzt Gemeinsamkeit als Devise im DOSB

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat sich für München als den deutschen Kandidaten für die Bewerbung um die olympischen und paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 entschieden.
Der DOSB ging 2006 aus dem Deutschen Sportbund und dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) gegen den Widerstand des Landessportbund Hessens hervor. Bei der heutigen Abstimmung über den Kandidaten wurden – anders als bei vorherigen Abstimmungen der letzten 20 Jahre zu durchweg erfolglosen Bewerbungen – alle Landessportbünde und auch der Deutsche Behindertensportverband und das Nationale Paralympische Komitee ausgeschlossen. Erst 2021 wurde die Devise “Communiter”, gemeinsam, den olympischen Devisen Citius (schneller), Fortius (stärker) und Altius (höher)hinzugefügt.

Dazu Eckart Maudrich, Sprecher von NOlympia Hamburg:

„Der quasi ‚NOK -Abstimmungsmodus‘ hat die Illusion des geeinten Sport-Deutschlands 20 Jahre nach seiner Einführung eindrücklich demaskiert. Vor kurzem wurde der DOSB bei der Falschbehauptung ertappt, der Haushaltsausschuss des Bundestages habe seinen Ergebnisbericht zur Finanzierung einer deutschen Olympiabewerbung bestätigt. Dieser Versuch, die dramatischen finanziellen Auswirkungen von Olympische Spielen zu verschleiern, offenbart das Ausmaß der Rücksichtslosigkeit, mit dem IOC-Interessen zu Lasten der Gemeinschaft durchgedrückt werden sollen. Es ist Zeit, die Rolle von Olympia für die nachhaltige Entwicklung sportlichen Verhaltens inhaltlich, organisatorisch und finanziell neu zu bewerten. Wir erleben gerade, wie der Sozialstaat demontiert wird und an allen Enden gespart wird, während die Lebenshaltungskosten steigen. Aber für Olympia sollen Milliarden bereitgestellt werden? München ist nach den Sommerspielen 1972 zur deutschen Stadt mit den teuersten Mieten geworden. Wir wünschen den Menschen in München, dass die Olympiabewerbung ihrer Stadt doch noch zurückgezogen wird oder beim IOC keine Zustimmung findet. ”