In einem offenen Brief an Sportsenator Grote und Finanzsenator Dressel fordert NOlympia-Hamburg dazu auf, im Doppelhaushalt 2027/2028 167 Millionen Euro zusätzlich in barrierefreie Sportstätten in statusniedrigen Stadtteilen zu investieren. Hamburg kann über 2,66 Milliarden Euro aus dem Gesetz zur Finanzierung von Infrastrukturinvestitionen von Ländern und Kommunen (LuKIFG) verfügen und hat diese Mittel bislang noch nicht verplant. Die Mittel können in Sportinfrastruktur investiert werden, müssen aber zusätzlich zu den Investitionen aus dem Kernhaushalt investiert werden.
Dazu Eckart Maudrich, Pressesprecher von NOlympia-Hamburg:
„Mit dieser unabhängig von IOC und DOSB umsetzbaren Möglichkeit 167 Millionen Euro im nächsten Doppelhaushalt für barrierefreie Sportstätten in statusniedrigen Gebieten Hamburgs zu investieren kann Hamburg im besonderen Maße zeigen, wie sehr es auf die integrative Kraft des Sports, auf Infrastrukturbeschleunigung und damit auf den Vielfachen Mehrwert des Sports setzt. Mit dieser Investition in Sportstätten würde der Senat verbindlich in effektive Bewegungsförderungs- maßnahmen investieren und damit direkt in der Nachbarschaft für knapp 360.000 Menschen (18% der Hamburger*innen) und ganz unabhängig von der unsicheren Bewerbungsaussicht, die Lebensqualität nachhaltig verbessern. ”
Anhang
Effektivität von Olympia als Treiber für Bewegung
| Faktoren, die das Sport- und Bewegungsverhalten beeinflusst haben | ||
| % der Befragten, die die folgenden Faktoren als sehr wichtig oder wichtig für die Veränderung des sportlichen / körperlichen Aktivitätsverhaltens einstuften (n (Beijing)=399, n (London)= 168 | ||
| Beijing 2008 | London 2012 | |
| Fit bleiben | 66% | 70% |
| Zeit | 70% | 58% |
| Gesundheitsbewußtsein | 74% | 57% |
| Verfügbarkeit Sportstätten & Parks | 64% | 54% |
| Sportliches Selbstbewußtsein | 63% | 43% |
| Einstellung zu Sport | 65% | 39% |
| Einfluss Freunde | 54% | 34% |
| Sportkompetenz | 62% | 31% |
| Zuschauen andere Sportevents | 38% | 28% |
| Geld | 43% | 22% |
| Veränderung familiäre Verantwortlichkeit | 45% | 18% |
| Sozialer Druck | 52% | 18% |
| Auswirkung Olympische Spiele | 32% | 14% |
Quelle: Chen, S, Liang, X, Hu, X & Yan, X 2022, Assessing the long-term inspirational impact of sporting-
mega-events on sport and physical activity participation: postevents’ evidence from the UK and China. S. 26
Der Offene Brief im Wortlaut
Sehr geehrter Herr Sportsenator Grote,
Sehr geehrter Herr Finanzsenator Dressel,NOlympia Hamburg hat mit großem Interesse Ihre Aussagen im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der HWWI-Studie zur wirtschaftlichen Dimension des Sports in Hamburg zur Kenntnis genommen. Dass der Sport “nicht nur Zusammenhalt und Lebensqualität in unserer Stadt, sondern auch Wohlstand und Wirtschaftswachstum” stärkt und also jeder Euro für den Sport ein Vielfaches an Mehrwert bringt.
Derzeit bietet sich die historische Chance, diesen Zielen ganz unabhängig von der Bewerbung um die Spiele und unabhängig von einem möglichen Zuschlag durch das IOC mit konkreten zusätzlichen Investitionen in die Sportstätteninfrastruktur in 2027/2028, also um 9-16 Jahre beschleunigt, näher zu kommen.
Wie kann das gehen?
Das LuKIFG stellt Hamburg 2.66 Milliarden Euro zu Verfügung. Eines der förderfähigen Ziele ist die Sportstätteninfrastruktur. Laut einem Bericht des NDR vom 27.03. ist die Mittelverwendung für den Doppelhaushalt 2027/2028 und das Budget des LuKFIG noch in Planung. Also genau der richtige Zeitpunkt, um Investitionen in Höhe von 167 Millionen Euro (6% des LuKIFG) in barrierefreie Sportstätten zu integrieren und mit Fokus auf statusniedrigen Gebieten
(siehe Quelle).Warum 167 Millionen Euro?
Das Bewerbungskonzept sieht Investitionen in Sportstätten (UDP 3.1) in Höhe von 167 Millionen Euro vor. Diese sind allerdings in ferner Zukunft und abhängig von Entscheidungen demokratisch nicht legitimierter Institutionen, die einen Bruchteil der Sporttreibenden vertreten. Hamburg kann und sollte diese richtigen Ziele daher in Ausübung seiner Eigenständigkeit und Freiheit selbst in die Hand nehmen. Jetzt.
Warum macht es Sinn, diese Investitionen zusätzlich zu tätigen?
Die Sportstätteninfrastruktur hat massiven Nachholbedarf an Sanierung, Zubau und Ersatzbauten. Deshalb stellten Sie laut Sportbericht 2024 von 2020-2024 durchschnittlich 55 Millionen Euro pro Jahr für öffentliche Sportplätze und Schulsporthallen, weitere für Schwimmbadinfrastruktur sowie knapp 2 Millionen Euro pro Jahr für Vereine zur Verfügung. Sie heben hervor, dass dies auch so für die Zukunft geplant sei. Das ist die richtige Richtung.
Vor diesem Hintergrund ist es wichtig zu betonen, dass das SVIK bzw. das LuKFIG Zusätzlichkeit erfordern. Also Investitionen, die über die 10% Investitionsquote des Haushalts hinausgehen. Leider berichten sowie das IFO-Institut als auch das IW, das zwischen 86%-95% des Sondervermögens zweckentfremdet worden seien und damit dringend benötigte Investitionsimpulse ausblieben. Sie warnen deshalb ganz explizit vor Verschiebebahnhoftaktiken, die bereits geplante Ausgaben aus dem Kernhaushalt raus und in das Sondervermögen reinschieben.
Mit zusätzlichen Investitionen von 167 Millionen Euro kann Hamburg daher die Qualität und den Umfang der Sportstätteninfrastruktur kurzfristig massiv verbessern und mit diesen Investitionen “ein Vielfaches an Mehrwert” erzielen.
Von diesen zusätzlichen Investitionen sollte der Vereinssport profitieren, um den Hebeleffekt der Investitionen zu verbessern. Deshalb sollten die jährlichen Mittel mindestens verdoppelt werden. Allerdings sollten die vom Rechnungshof in seinem Jahresbericht 2026 genannten, erheblichen Fehler und seit über einer Dekade bestehenden gravierenden Verstöße im Zuwendungsmanagement sofort abgestellt werden.Warum passt das zu den sportlichen Ambitionen der Stadt?
Der Bund investiert in 2026 bereits einen jährlichen Anteil 2.11% (866 Millionen Euro) seines Anteils am Sondervermögen. Als Sportstadt stünde es Hamburg gut zu Gesicht, nicht hinter diesen Anteil zurückzufallen.
Wir fordern Sie daher auf Ihre Eigenständigkeit zu nutzen, um diesen wichtigen Impuls in Zusammenhalt, Wachstum und Barrierefreiheit jetzt auszulösen um einen sportlichen, sozialen und wirtschaftlichen Zinseszinseffekt zu realisieren, der durch Abhängigkeiten und Unsicherheiten so nicht einzulösen ist.
Wir freuen uns von Ihnen zu hören.
Mit sportlichen Grüßen,
Für NOlympia-Hamburg
Eckart Maudrich
info@nolympia-hamburg.de
Quelle:
Sozialmonitoring Integrierte Stadtteilentwicklung – Bericht 2025, S17, Karte 2
