Der Senat träumt von Olympischen Spielen in Hamburg. Glanz, Sport, Weltöffentlichkeit – das klingt verlockend. Doch Olympia ist kein Fest ohne Folgen. Es geht um Milliarden, Macht und Risiken.
Fünf Fragen, die wir uns stellen sollten
Was kostet das wirklich?
Der Senat stellt überschaubare Ausgaben in Aussicht. Doch die Erfahrung zeigt ein anderes Bild: Paris 2024: 11 Mrd. €1, Tokio 2020: 12Mrd. €2, Rio de Janeiro 2016: 11,9 Mrd. €3 – jeweils weit mehr als ursprünglich geplant. Da alles zu einem festgelegten Datum fertig sein muss, steigen die Baukosten erfahrungsgemäß rasant. Mit denselben Summen ließen sich in Hamburg zahlreiche drängende Probleme lösen – vom Wohnungsbau, über Bildung, bis hin zur Verkehrsinfrastruktur.
Baustellen und Verkehrschaos: Was bringt Olympia wirklich?
Schon heute ächzt Hamburg unter Baustellen und Verkehrschaos. Die zusätzlichen Bauprojekte für Olympia würden die Lage weiter verschärfen: Großbaustellen in weiten Teilen der Stadt, gesperrte Straßen und jahrelange Beeinträchtigungen. Kommt Olympia, wird es „Olympic Lanes“ geben –eigene Fahrspuren für Sportlerinnen und Funktionärinnen. Busse und Bahnen wären überfüllt. In Paris empfahl der französische Verkehrsminister den Bewohner*innen, die Stadt während der Spiele zu verlassen. Ist das die Zukunft, die wir uns für Hamburg wünschen?
Das IOC: Wer steckt dahinter?
Die olympische Idee von Fairness und Völkerverständigung ist großartig – doch das IOC hat sie längst zum Geschäft gemacht. Es gibt sich als Hüter olympischer Werte, ist aber ein intransparenter Verein nach Schweizer Recht, dessen Mitglieder sich selbst wählen. Demokratische Kontrolle? Fehlanzeige.
Host-City-Verträge bleiben geheim und werden erst nach der Vergabe teils veröffentlicht. Das IOC sichert sich Sonderrechte, Steuerbefreiungen und Gewinne, während Austragungsstädte die Risiken tragen. Korruptions- und Finanzskandale begleiten die Organisation seit Jahrzehnten.
Olympia: Wird alles teurer?
Die Mieten in Hamburg explodieren – und der Senat bekommt das nicht in den Griff. Olympia würde den Trend weiter verschärfen. Andere Städtezeigen das deutlich: In Los Angeles wurden schon Jahre vor den Spielen 2028 Mieter*innen rund um Austragungsorte verdrängt.4 Auch Gastronomie und Einzelhandel verzeichnen erfahrungsgemäß starke Preissteigerungen. Die soziale Schieflage nimmt zu.
Olympia und das Hamburger Baumanagement: Ein Wagnis?
Der Senat betont, Hamburg könne Olympia stemmen. Doch große Projektezeigen anderes: Elbtower, City-Toiletten5, Köhlbrandbrücke6, Hauptbahnhof7, Haus der Erde8 – stets liefen die Kosten aus dem Ruder, trotz gegenteiliger Versprechen. Jüngstes Beispiel: Der „Kurze Olaf“ sollte ohne Steuergeld entstehen, kostet nun rund 600 Millionen Euro.9 Warum sollte ausgerechnet Olympia anders laufen?
Quellen
1) Paris 2024
| Einnahmen | 4.8 Mrd € |
| Ausgaben | -11.1 Mrd € |
| Defizit | –6.3 Mrd € |
3) https://www.fr.de/sport/sport-mix/olympia-2016-kostet-mindestens-119-milliarden-euro-11216903.html
4) https://newrepublic.com/article/167453/2028-los-angeles-olympics-housing
5) https://www.mopo.de/hamburg/nach-zwei-jahren-baustelle-geplantes-klo-in-der-city-wird-zugeschuettet/
6) https://www.zdfheute.de/politik/deutschland/seehaefen-sanierung-bund-finanzierung-100.html
7) https://www.nahverkehrhamburg.de/hamburgs-hauptbahnhof-ein-konstruktionsfehler-seit-1906-211216/

